Die Bundeswehr ist kein "normaler Arbeitgeber"! - Bevor Du unterschreibst solltest Du das lesen (pdf), mehr gibts bei der DFG-VK. Wenn auch schwieriger, Du kannst auch als Zeitsoldat den Kriegsdienst verweigern - informier Dich u.a. bei der Zentralstelle KDV!

Schwule Klassenkenntnis: Perihan Mağdens «Ali und Ramazan»
(von Salih Alexander Wolter, gedruckt in Rosige Zeiten, Ausgabe Mai/Juni 2012, leicht überarbeitete Fassung von http://salihalexanderwolter.blogsport.de)

Ali und RamazanDer packendste «schwule» Roman seit langem ist von einer Frau und kommt aus der Türkei: Ali und Ramazan von Perihan Mağden, einer prominenten gesellschaftskritischen Autorin und Kolumnistin, war dort 2010 «Buch des Jahres» und stand monatelang auf der Bestsellerliste, der Film dazu kommt demnächst in die Kinos. Hierzulande hat diese Geschichte bei einigen Rezensenten – das Wort muss, soweit ich die erschienenen Artikel überblicke, in diesem Fall nicht gegendert werden – Anstoß erregt. Aus stilistischen Gründen, wie sie sagen. «Kitsch» lautet da ein Vorwurf, der sich ästhetisch gibt, auch wenn er hier nur schlecht kaschieren kann, dass es die politische Aussage ist, die nicht gefällt. Als Beleg schreiben sie einer vom anderen diese unschuldige Stelle ab: «Ali und Ramazan vereinigen sich erstmals in jener Nacht, auf dem Bettsofa des Herrn Direktor, und das wieder und wieder, bis zum nächsten Morgen. Sie werden eins. Werden zu Ali und Ramazan. Bis in alle Ewigkeit. Bis zum Ende ihrer viel zu kurzen Ewigkeit.» weiter

 

 

Ambiguität – bedeutsam für die Geschlechterforschung.
(von Heinz-Jürgen Voß, zuerst und vollständig hier bei querelles-net.de (13 (1)).

Die umfassende Arbeit des Arabisten und Islamwissenschaftlers Thomas Bauer bietet eine exzellente Ausgangsbasis, um in der Geschlechterforschung weiterzudenken. Einerseits können nun die sich mit der ‚Moderne‘ etablierenden Gegensatzpaare Homosexualität vs. Heterosexualität und Frau vs. Mann (im Sinne eindeutiger und ‚wahrer‘ Zweigeschlechtlichkeit) als Modernisierungsphänomene vertiefend erforscht werden. Andererseits wird die Bedeutung von Ambiguität gründlich erschlossen: Mit der ‚Moderne‘ habe sich – so führt Bauer plastisch aus – die zuvor bereits in abendländischem Denken vorhandene Tendenz, nach Eindeutigkeit und Wahrheit zu suchen, weiter verstärkt. Widersprüchlichkeiten galten nun als Problem und wurden nach Möglichkeit beseitigt. Im arabischen Raum habe man sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts und mit Bezug auf europäische Quellen der Tilgung von Ambiguität angeschlossen. weiter bei querelles-net.de

 

 

Menschen leben lieber bunt als soldatisch: "Viele Freiwillige kündigen ihren Dienst schon nach wenigen Tagen" (HAZ, 21.7.2011)

Menschen leben lieber bunt als soldatischNachdem die Bundeswehr in den vergangenen Wochen ihre Werbebemühungen verstärkt hatte und mit bunten Plakaten, Techniktrucks und lächelnden Gesichtern versucht hatte junge Leute für das Militär zu gewinnen, schlagen diese Bemühungen fehl. Selbst diejenigen, die sich anfänglich vorstellen konnten, 'im Ernstfall' Menschen zu töten bzw. dabei behilflich zu sein, kehren der Bundeswehr in Scharen den Rücken. So haben bei der 1. Panzerdivision in Hannover, die insbesondere in Afghanistan aktiv ist, bereits innerhalb der erste drei Wochen nach Dienstantritt 14 Prozent der Rekruten und Rekrutinnen gekündigt. Dies berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) auf der Titelseite ihrer aktuellen Ausgabe vom 21. Juli 2011. Die HAZ problematisiert: "Viele Freiwillige kündigen ihren Dienst schon nach wenigen Tagen" - und weiter: "Viele junge Männer und Frauen, die sich zum freiwilligen Dienst in der Armee entschlossen haben, nutzen ihre sechsmonatige Probezeit und kehren der Truppe Knall auf Fall den Rücken." Es gab "auffällig häufig Kündigungen aus persönlichen Gründen: Rekruten fühlten sich überfordert und mochten sich nicht an das Leben in der Kaserne und die soldatische Ordnung gewöhnen. Andere erhielten doch noch einen Studienplatz oder eine Zusage für eine Ausbildung in einem zivilen Beruf."

Die bunten Werbeschilder trügen - und täuschen über antidemokratische Gehorsamspflicht und Disziplinierung hinweg, die individuelle Entscheidungen und Lebensplanungen verhindern. Aber Vorsicht ist geboten: Wer die ersten sechs Monate für den Ausstieg verpasst und sich als Zeitsoldat/in auf Dauer verpflichtet hatte, hat es schwer auszusteigen! Daher rechtzeitig entscheiden - und wer den Termin verpasst, Rat suchen, u.a. bei der Zentralstelle KDV.

 

Judith Butler - Queere Bündnisse und AntikriegspolitikHomohochzeit in Kriegszeiten:
Buch von Judith Butler zur Antikriegspolitik
(von Eugen Januschke, aus "Zivilcourage - Magazin für Pazifismus und Antimilitarismus der DFG-VK", www.zc-online.de)

Noch haben wir einen öffentlich bekennenden Schwulen als Außenminister. Und der ehemalige Wehrbeauftragte des Bundestages Reinhold Robbe heiratete am 16. April Freo Majer, der mit seinem Verein „Frontkultur“ Theater für deutsche Soldaten in Afghanistan macht.
Die Zeiten, da man annehmen konnte, dass Schwule der Bundeswehr zumindest mit Vorbehalten gegenüber stehen, scheint vorbei. Nicht nur viele Schwule sehen Staat und Bundeswehr als Verteidiger ihrer „Minderheitenrechte“. Judith Butler ordnet dies ein in „... Versuche, Schwule für den Aufbau nationalistischer und fremdenfeindlicher Kulturen zu rekrutieren ...“, so in ihrem nun publizierten Vortrag „Queere Bündnisse und Antikriegspolitik.“ weiter

Auch empfehlenswert ist das sehr gute Buch von Ralf Buchterkirchen: “… und wenn sie mich an die Wand stellen” – Desertion, Wehrkraftzersetzung und “Kriegsverrat” von Soldaten in und aus Hannover 1933-1945. Es handelt von Deserteuren aus Hannover und solchen, die in Hannover hingerichtet wurden – und dem schwierigen Weg zu ihrer Rehabilitation, die erst in den letzten Jahren erfolgte. Dabei greift es sowohl neuere Erkenntnisse der kritischen Männlichkeitsforschung auf und zeigt gleichzeitig, wie vielfältig und individuell die Gründe zu desertieren waren. Nicht selten hing ein Deserteur einfach an seinem Leben, konnte das Töten nicht mehr sehen, wollte zu seinen Lieben. Die individuellen Gründe rückt Ralf Buchterkirchen in den Blick. (178 Seiten, 13,90 €, ISBN: 978-3-930726-16-5; ausführliche Informationen beim Verlag.)

Queer & Kapitalismuskritik

Zur unbedingt notwendigen Verbindung von Queer & Kapitalismuskritik ist eine breitere Debatte in Gang gekommen, die es lohnt, zu verfolgen und fortzusetzen. Es erscheint mir wichtig, nicht einfach die "Wertabspaltungstheorie" von Roswitha Scholz zur Kenntnis zu nehmen und sie dann stetig zu wiederholen, sondern damit weiterzuarbeiten! Interessant sind hierzu einerseits Überlegungen, warum es niemals im Sinne kapitalistischer Produktionsweise (kapitalistischer gesellschaftlicher Verhältnisse) war, alle Frauen aus der Erwerbsarbeit auszuschließen (vgl. Punkt [4] im Folgenden), sondern auch die aktuellen neoliberalen Verhältnisse zu reflektieren, diese zu verstehen und praktisches Handeln abzuleiten (hierzu [4] und [5] im Folgenden). Die Antworten werden intersektional sein müssen - warum wird bei der Lektüre von [6] deutlich. Nun die entstandene Diskussion:

1) Dieser Beitrag löste die Debatten aus: "Diverser leben, arbeiten und Widerstand leisten - Queerende Perspektiven auf ökonomische Praxen der Transformation" (Kathrin Ganz, Do. Gerbig)

2) Es erschien darauf hin diese Kritik: "Queerfeministische Ökonomiekritik? Eine Randnotiz zum Ende des Kapitalismus" (Salih Alexander Wolter)

3) Hier wurde diese Kritik noch einmal unterlegt: "Weg mit dem Queer-Ding! Ansätze für eine queere Kapitalismuskritik" (Heinz-Jürgen Voß)

4) Es gilt sehr grundsätzlich die Verwobenheit von Geschlecht und Kapitalismus zu verstehen - unter anderem warum Kapitalismus stets auch auf Frauenarbeit zielte und warum die Differenzierung in zwei Geschlechter so gut nutzbar ist: Geschlecht und kapitalistische Produktionsweise - Queer und Antikapitalismus: Skizzen für neue Perspektiven (Heinz-Jürgen Voß)

5) Einige weitere wichtige Überlegungen, wie wir weiterdenken und eine Praxis entwickeln können, finden sich hier: a) In diesen Arbeiten von Volkmar Sigusch (u.a. "Die Mystifikation des Sexuellen"). b) In diesem zentralen Aufsatz von Nancy Peter Wagenknecht ("Formverhältnisse des Sexuellen"). c) In dem von Heike Friauf hrsg. Band "Eros und Politik", dort u.a. der Beitrag von Leo Kofler "Eros, Ästhetik, Politik - Thesen zum Menschenbild bei Marx".

6) Perihan Mağdens Roman "Ali und Ramazan" macht sehr gut literarisch klar, dass und wie ökonomische und sexuelle Fragen in Verbindung stehen (also: "Intersektionalität"!). Die Autorin stellt ihrem Buch ein Zitat voran: „Leute, die über Revolution reden, oder über Klassenkampf, ohne sich dabei explizit auf das alltägliche Leben zu beziehen, die nicht verstehen, was subversiv an der Liebe ist und was positiv ist an der Zurückweisung von Beschränkungen, solche Leute haben eine Leiche in ihrem Mund.“ Rezensionen, die die Anschlussmöglichkeiten für Queer & Kapitalismuskritik umreißen, finden sich hier und hier.

 

Aktuell: Parlamentsnotizen V

Was passiert lesbisch, schwul und queer in der Republik? Ralf Buchterkirchen hat in der Zeitschrift "Rosige Zeiten" aus Oldenburg eine Serie gestartet, in der er regelmäßig über neue Entwicklungen (Gesetzesvorhaben etc.) in Landes- und Bundespolitik in der Bundesrepublik Deutschland berichtet:

Parlamentsnotizen I
Parlamentsnotizen II
Parlamentsnotizen III
Parlamentsnotizen IV

Neu: Parlamentsnotizen V

 

 

Intersex – zur Stellungnahme des Deutschen Ethikrates „Intersexualität“
(von Heinz-Jürgen Voß)

Mit der Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zu Intersexualität wird einmal mehr die Parteilichkeit im Diskurs deutlich. In der Stellungnahme wird nahtlos an die umstrittene medizinische Terminologie angeschlossen, in der Intersexualität oft im Sinne einer Krankheit beschrieben wird. Von Intersexen wird hingegen seit längerem gefordert unparteiisch und nicht-wertend von Varianzen beziehungsweise Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung zu sprechen. Um einer Überparteilichkeit nahe zu kommen und einen ethisch geprägten Beitrag zur Diskussion zu leisten, wäre es nötig gewesen, schon auf der Ebene der Begrifflichkeiten den Positionen der streitenden Parteien gleichberechtigt Rechnung zu tragen. weiter

Weitere lesenswerte Beiträge zur Stellungnahme des Deutschen Ethikrates "Intersexualität":

Internationale Vereinigung intergeschlechtlicher Menschen / Maedchenmannschaft / DKP queer


 

gaaaanz wichtige - und bei jedem Aufruf neue - Bemerkung zur Weltlage ;)

Ich lese regelmäßig:

Freitag

Junge Welt

Spiegel Online

FAZ

GID

Maedchenmannschaft

Maedchenblog

DKP queer

Queer.de

Äußerst wichtig finde ich:

Ali und Ramazan

 

---------------------------------------------------------------

Wichtige Hinweise: 1) Ich distanziere mich hiermit von allen auf dieser Homepage verlinkten Seiten, da ich keinen Einfluss auf deren Inhalte habe. 2) Genutzte Bilder wurden entweder selbst gemacht oder waren frei im Internet zugänglich. Sollten bei einem der Bilder Rechte verletzt werden, bitte ich um eine kurze mail. Ich werde das Bild dann umgehend entfernen.